Suspendierung von Bultmann aufgehoben

Presseerklärung

In der Auseinandersetzung zwischen unserer Mandantin Birte Bultmann (LG Braunschweig) und dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) hat der DLV heute gegenüber dem Schiedsgericht seinen Antrag auf Verhängung einer 2-jährigen Wettkampfsperre gegen Frau Bultmann zurückgenommen. Zugleich hat der DLV die vorangegangene Suspendierung aufgehoben.

Zu den aktuellen Geschehnissen im Vorfeld:

Am 25.04.2005 wurde der Fall vor dem unabhängigen Schiedsgericht unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Adolphsen (weitere Richter: RA Dr. Michael Lehner, Heidelberg; RA Dr. Dirk-Reiner Martens, München) in Frankfurt verhandelt und Beweis durch Vernehmung der Sachverständigen und Chemiker Prof. Dr. Schänzer, Dr. Detlef Thieme u. Joachim Große erhoben.

Nach erfolgter Beweisaufnahme riet das Schiedsgericht dem DLV noch am Verhandlungstag dringend an, seine Klage gegen Frau Bultmann mangels Erfolgsaussicht zurückzunehmen. Die Beweisaufnahme hatte ergeben, dass im hiesigen Nandrolonwertbereich bereits die Anwendbarkeit des Anscheinsbeweis, auf den sich der DLV wie auch in vorangegangenen Dopingfällen, berufen hatte, äußerst fraglich sei. Hinzu kam u. a. die bekannte Analyse des Herrn Prof. Schänzer, der bereits im Oktober 2004 einen möglichen endogenen Ursprung der aufgefundenen Substanz nachgewiesen hatte (vgl. dazu sowie zu der Ursache des endogenen Ursprungs des Nandrolons die beigefügte Pressererklärung v. 26.11.2004).

Im Mai wurde der DLV dann von Prof. Dr. Schänzer darüber informiert, dass eine neuartige Verfeinerung der Analysemethode es nun möglicherweise auch zulasse, geringste Mengen des noch aufgefundenen Resturins zu untersuchen, so dass eine erneute Wiederholung der bereits im Oktober erfolgten Messungen versucht werden könne.

Diese Wiederholungsanalyse wurde dem DLV seitens des Schiedsgerichts noch zugestanden. Seit dieser Woche liegt dem DLV der Befund von Prof. Dr. Schänzer vor. Zwar verweigert der Vorsitzende des Disziplinarausschusses, Dr. Mario Krogmann, unserer Mandantin bislang die Herausgabe des neuen Analysereports. Seine beim Schiedsgericht eingereichten Anträge, Frau Bultmann wegen eines Dopingverstoßes schuldig zu sprechen und eine Wettkampsperre von 2 Jahren zu verhängen, hat er indes am heutigen Tag zurückgenommen.

Spätestens nach Vorlage des Befundes von Prof. Dr. Schänzer im Oktober 2004 hätte der DLV sein gegen Frau Bultmann eingeleitetes Verfahren einstellen können und auch müssen. Denn spätestens zu diesem Zeitpunkt stand es fest, dass Frau Bultmann nicht gedopt hatte, also unschuldig ist und eine spätere Verurteilung faktisch ausgeschlossen war. Dass der Disziplinarausschuß des DLV dennoch das Verfahren gegen unsere Mandantin mit u.E. grob falsch eingeschätzter Sach- und Rechtslage bis heute fortgeführt hat, dürfte der gebotenen effektiven Dopingbekämpfung nicht gedient haben – im Gegenteil.

Die seit Juli 2004 andauernde Suspendierung stellte für unsere Mandantin wie auch für ihr persönliches Umfeld eine enorme Belastung dar. Heute aber zählt: Frau Bultmann ist überglücklich. Am 02.07.2005 wird sie bei den Deutschen Meisterschaften in Wattenscheid über 5000m auf die Bahn zurückkehren – vollständig rehabilitiert.

Dr. Rainer Cherkeh,

Rechtsanwalt