Presseerklärung der International Sport Lawyers Association (ISLA)

Athletenvereinbarung des DLV auf dem Prüfstand

Kontrahierungszwang unzulässig?

Lausanne. Ende dieses Jahres ist es wieder so weit. Der Deutsche Leichtathletikverband (DLV) wird seinen ca. 400-500 Spitzenathleten eine neue Athletenvereinbarung zur Unterzeichnung übersenden. Die Vereinbarung zwischen Verband und Athlet regelt in der bisherigen Fassung insbesondere Vermarktungsfragen im Rahmen des Einsatzes der Sportler innerhalb der Nationalmannschaft. Derartige Vereinbarungen werden auch von anderen deutschen Sportverbänden mit ihren Athleten abgeschlossen. Die Besonderheit beim DLV besteht aber darin, dass dessen Satzungswerk faktisch einen Zwang zum Abschluss der Vereinbarung anordnet: Gemäß § 7 Ziff. 1.3 der Leichtathletikordnung (LAO) des DLV sind etwa die Aufnahme und der Verbleib im Bundeskader, die Berufung in die Nationalmannschaft oder der Vorschlag zur Aufnahme in eine Olympiamannschaft an den Abschluss der vom Verband vorgelegten Athletenvereinbarung gekoppelt.

Ob dieser Weg gangbar bleibt, der DLV sich also auch künftig bei Verweigerung der Unterschriftsleistung eines Athleten auf die geschilderten satzungsmäßigen Konsequenzen wird berufen können, ist zweifelhaft und nun – kurz vor den Deutschen Meisterschaften u. Olympischen Spielen – wieder im Streit. Der Sportrechtler Dr. Rainer Cherkeh, Rechtsanwalt aus Hannover und Mitglied der ISLA, einer Vereinigung internationaler Sportrechtsanwälte mit Sitz in Lausanne, führt in einem aktuell veröffentlichten Fachbeitrag – SpuRt 3/2004, Seite 89 –  gewichtige Einwände an.

Cherkeh kritisiert vor allem, dass der Sportler, dem die Vereinbarung zur Unterzeichnung vorgelegt wird, nicht in der Lage sei, die Angemessenheit der gebotenen Beteiligung an den Einnahmen des Verbandes, die dieser durch die Vermarktung der Nationalmannschaft erzielt, zu bewerten. Denn über die Inhalte der Verbandssponsorenverträge, namentlich über die dem DLV von den Verbandssponsoren zugesagten Erlöse für die Vermarktung der Nationalmannschaft, will sich der Verband gegenüber seinen Athleten nicht näher äußern. Auch deshalb ist der in der LAO des DLV vorgesehene Kontrahierungszwang nach Auffassung des Sportrechtlers Cherkeh unwirksam und hielte einer gerichtlichen Kontrolle nicht stand.

Es bleibt abzuwarten, ob Athleten, die sich in ihren Rechten verletzt sehen, den gerichtlichen Konflikt mit dem DLV suchen werden. Eine außergerichtliche Verständigung sei aber, so Cherkeh, für beide Vertragsparteien sinnvoll und möglich. Hierzu verbleiben allerdings nur noch wenige Monate.