Presseinformation zu der ARD-Reportage „Mission: Sauberer Sport- Doping-Fahnder im Einsatz“ vom 17.01.2007, 21.45 Uhr

zu der gestrigen ARD-Reportage „Mission: Sauberer Sport – Doping-Fahnder im Einsatz“ nachfolgend rechtliche Fakten:

„Das Anti-Doping-System im deutschen Sport weist offenbar erhebliche Schwächen auf. Zu diesem Schluss kommt die 30-minütige ARD-Reportage „Mission Sauberer Sport“, die heute um 21.45 Uhr ausgestrahlt wird. Die Recherchen ergaben, dass im vergangenen Jahr in Deutschland rund 400 Doping-Kontrollen nicht stattfinden konnten, weil etwa 250 Athleten bei in der Regel unangemeldeten Tests nicht aufzufinden waren. Die fälligen Sanktionen durch die verschiedenen Sportverbände seien nicht ausgesprochen worden. Sportler wurden mehrmals nicht angetroffen, ohne dafür bestraft worden zu sein.“
(Quelle: – tagesschau.de vom 17.01.2007)

Zum rechtlichen Hintergrund, am Beispiel der Disziplin Leichtathletik, einige Fakten:
  1. Gemäß § 15 Abs. 1 des Anti-Doping-Codes (ADC) des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) vom 05.05.2006 ist „jeder Athlet verpflichtet, sich im und außerhalb des Wettkampfes jederzeit den Dopingkontrollen zu unterziehen, die von der IAAF, EAA, dem DLV, der NADA oder der WADA angeordnet sind (…).“
  2. § 18 Abs. 2 des ADC statuiert, dass für Trainingskontrollen auf dem Gebiet der BRD grundsätzlich die NADA zuständig ist.
  3. Gemäß § 14 Abs. 3 ADC sind die dem A-, B-, C und D/C- Kader des DLV angehörigen Athleten verpflichtet, der NADA „genaue und aktuelle Angaben zum Aufenthaltsort und zur Erreichbarkeit zu machen.“ Im Einzelnen sind dies u.a. folgende Angaben:
    • Ort und Zeit des Trainings (Rahmentrainingsplan)
    • Ort und Zeit von Wettkämpfen und Trainingslagern
    • Telefonische Erreichbarkeit bei Verlassen des gewöhnlichen Aufenthaltortes
    • An- und Abmeldungen bei Abwesenheit vom gewöhlichen Aufenthaltsort von mehr als 72 Stunden (Hinweis: Athleten, die einem „Testpool“ der NADA / des nat. Sportfachverbandes angehören, müssen sicherstellen, „zu jeder Zeit“ kontrolliert werden zu können, NADA-Code Art. 6 Ziff. 1.1).
  4. Ein Verstoß gegen die o.g. Meldepflichten des § 14 ADC gilt gemäß § 4 Nr. 8 ADC als Doping.
  5. Gemäß § 27 ADC ist bei Vorliegen eines begründeten Verdachts eines Verstoßes gegen eine Antidoping-Bestimmung vom Disziplinarausschuß des DLV ein Überprüfungsverfahren einzuleiten.
  6. Der Sanktionskatalog für Verstöße gegen die Meldepflichen gemäß § 4 Nr. 8 ADC gibt gem. § 43 Abs. 1 ADC vor:
    • Erster Verstoß: öffentliche Verwarnung
    • Zweiter Verstoß: Wettkampfsperre von mindestens 3 Monaten
    • Dritter Verstoß: Wettkampfsperre für 1 Jahr
    • Vierter Verstoß: Wettkampfsperre für 2 Jahre.
Fazit: Eine konsequente Anwendung dieser Verfahrens- und Sanktionsvorschriften ist – auch im Hinblick auf etwaige Fälle in der Vergangenheit – dringend geboten.

Dr. Cherkeh,
Rechtsanwalt
Hannover, 18.01.2007

veröffentlicht in Doping, Sportrecht